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Ansprache des Bürgermeisters  

08.01.2018

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

der römische Dichter und Philosoph Seneca hat einmal gesagt:

„Die menschliche Gesellschaft gleicht einem Gewölbe, das zusammenstürzen müsste, wenn sich nicht die einzelnen Steine gegenseitig stützen würden."

Was würde Seneca wohl heute sagen, angesichts der Geschehnisse und Entwicklungen in unserer Welt?

Ich hoffe jedenfalls, dass Sie gut ins neue Jahr gekommen sind und wünsche Ihnen alles Gute, Gesundheit und Zufriedenheit und dass Ihre Erwartungen an das Jahr 2018 in Erfüllung gehen mögen.

Nehmen Sie meine guten Wünsche auch mit zu Ihren Familien, Nachbarn und Freunden und auch an diejenigen, die alters- oder krankheitsbedingt nicht mehr aktiv am Leben in unserer Gemeinschaft teilnehmen können.

Natürlich begrüße ich auch das Jugendorchester des Musikvereins Lyra unter der Leitung von Christoph Niersmann, das uns alle bereits zu Beginn dieses Empfanges so wunderbar musikalisch eingestimmt hat.

Schön, dass Ihr da seid und gleich noch einige Stücke aus Eurem Repertoire vortragen werdet.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich komme nochmals zurück auf Senecas Vergleich der menschlichen Gesellschaft mit einem Gewölbe.

In den letzten Wochen und Monaten müssen wir uns fragen, wie stabil ist dieses Gewölbe noch? Wackeln da nicht einige Steine, sind nicht sogar schon einzelne Steine herausgebrochen?

Hetzkampagnen und Propaganda von Populisten, Nationalisten und Rassisten schaffen es immer öfter, Vernunft und Verstand vieler Mitmenschen auszuschalten und dieses Gewölbe instabil werden zu lassen.

Was ist los in unserer Gesellschaft? Sind wir eigentlich noch selbstbestimmt oder sind wir bereits schon ferngesteuert?

Wie leicht lassen sich doch durch die wildesten Botschaften über die sozialen Netzwerke und durch gefakte Nachrichten Menschen manipulieren? Damit meine ich nicht nur das globale Geschehen, sondern bereits auf lokaler Ebene ist hier eine negative Tendenz feststellbar.

Um im Bild zu bleiben: Das Gewölbe hat Risse bekommen.

Was war das für ein Jahr 2017!

Rückblick

Schauen wir noch einmal zurück auf die Schlagzeilen aus Wachtendonk:

Dem Neujahrsempfang der Gemeinde im Januar folgten nahtlos die Veranstaltungen des Karnevals, der in Wachtendonk und Wankum gebührend gefeiert wurde. Schön, dass sich in Wankum ein „Dreigestirn“ gefunden hat, sodass die karnevalistischen Veranstaltungen mit dem abschließenden Karnevalszug als Höhepunkt hierdurch ihr „Sahnehäubchen“ erhalten haben.

Auch die Schützenfeste in beiden Ortsteilen waren zentrale Veranstaltungen im gemeindlichen Leben, an die nicht nur die jeweiligen „Königstrios“ aufgrund des überaus guten Zuspruches gerne zurückdenken werden. Besonders an den Straßenumzug in Wachtendonk werde ich mich sicherlich noch lange zurück erinnern; dieser Tag wird wohl gefühlt der heißeste Tag des Jahres gewesen sein, sodass wir Alle recht viel schwitzen mussten.

Wie schön, dass solche Traditionen in unserer Gemeinde so gepflegt werden; es ist eine Bereicherung für unsere Gemeinschaft.

Im Mai fanden die Wahlen zum Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen, im September die Wahlen zum Deutschen Bundestagl statt.

Auf Landesebene erfolgte ein Regierungswechsel, der sich in einigen Bereichen schon bemerkbar macht; auf Bundesebene muss noch sicherlich einige Wochen abgewartet werden, ob und wie es mit der Regierungsbildung weitergeht.

Weiter ging es in unserer Gemeinde mit verschiedenen Baumaßnahmen.

Im Bereich des Straßenbauinvestitionsprogrammes wurde der Schleckerweg komplett im Kanal- und Straßenbereich, im Bereich der Wirtschaftswege der Roulesweg und ein großer Teil des Kootweges saniert. Mit Abschluss des Baugebietes an der Niersaue wurde auch die Erschließungsstraße fertig gestellt.

Unmittelbar neben dem Seniorenzentrum „Im Hagenland“ konnte man das ganze Jahr über eine rege Bautätigkeit feststellen. Nach dem Abbruch der Jugendbegegnungsstätte „Old-School“ an der Wankumer Straße ist dort in wenigen Monaten eine neue zweigruppige Kindertagesstätte unter der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt mit einem angegliederten Tagesmutter-Angebot entstanden.

Ich freue mich sehr, dass mit der Fertigstellung dieser Einrichtung, die seit dem vergangenen November eröffnet ist, der Bedarf an Plätzen in Kindertageseinrichtungen für Wachtendonk vollständig gedeckt ist.

Im Frühjahr wird die Einrichtung einen Tag der offenen Tür anbieten, sodass sich jeder selbst ein Bild davon machen kann, wie schön und freundlich auch diese Einrichtung geworden ist.

Ab der zweiten Jahreshälfte 2017 sah man in Wachtendonk viele Absperrungen, Verkehrsumleitungen, Straßenbauarbeiten und einen unübersehbaren „Schilderwald“.

Das ist zum einen den Tiefbauarbeiten im Breitbandausbau in den Ortskernen und zum anderen dem Radweg geschuldet, der nach erfolgreichen Verhandlungen mit Straßen.NRW als zuständigem Straßenbaulastträger von der L361 (Umgehungsstraße) bis zum Ortseingang von Wankum eine Komplettsanierung erfährt.

Wenn das Wetter mitspielt, sollten die Arbeiten hierzu im späten Frühjahr abgeschlossen sein. Ich hoffe auf Ihre Einsicht und Ihr Verständnis, wenn Sie während dieser Bautätigkeiten Ihre Straßenverbindungen nicht in der von Ihnen gewohnten Weise nutzen können.

Unübersehbar zwischen beiden Ortsteilen ist Ende Juni des vergangenen Jahres eine Windenergieanlage in Betrieb genommen worden. Gemeinsam mit den Stadtwerken Krefeld hat sich die Gemeinde Wachtendonk über Ihre Tochter, die Gemeindewerke Wachtendonk GmbH, an dieser Anlage beteiligt. Mit der geplanten Rendite aus dieser Beteiligung wird über eine Querverrechnung versucht, den Wasserpreis für alle Bürgerinnen und Bürger möglichst langfristig konstant zu halten.

Zum Ostermarkt, zum Bücherbummel und zum Weinfest kamen wieder viele Besucher von nah und fern in unsere Niersgemeinde; auch einige Freunde aus unserer Partnergemeinde Acigné feierten beim diesjährigen Weinfest wieder mit.

In 2017 hatten wir keinen sogenannten Weihnachtsmarkt, dafür kam aber der Nikolaus wieder über die Niers angereist. Die Besucherzahl war laut Veranstalter überaus gut und ich glaube, dass man auf dieser Basis aufbauen kann.

Gedankt sei hierfür dem gesamten Vorstands- und Organisatorenteam der Werbegemeinschaft „Wir für Wachtendonk und Wankum“.

Erstmalig wurde auf dem Friedensplatz an mehreren Wochenenden in den Sommerferien der KiSoWa (der KinderSommerWachtendonk) veranstaltet. Nachdem zu Anfang die Beteiligung eher gering war, konnten zu den letzten Veranstaltungen jeweils um die 400 Besucher gezählt werden. Dieser Erfolg führte dazu, dass sich sowohl die Eltern als auch Verwaltung und Politik für eine Fortsetzung dieses Programmes für dieses Jahr ausgesprochen haben.

Bei all den Aufzählungen der schönen Veranstaltungen und Aktivitäten drängt sich aber bei mir die Frage auf, ob man optimistisch weitermachen soll? Bei all dem, was in sozialen Netzwerken an Wut, Hass und Beschwerdemeldungen verbreitet wird, ohne genaue Informationen und Hintergründe zu kennen, darf man wirklich zweifeln.

Auf der anderen Seite gibt es aber noch die Optimisten, die weiter an ihre Arbeit glauben; auch in schwierigen Situationen. Unterstützen wir diese, damit die Räder sich weiterdrehen, auch gegen jede „Schlechtmacherei“.

So wollen wir einen - vorsichtig optimistischen - Blick auf unsere Gemeinde für das gerade begonnene Jahr werfen.

Die Glasfaserarbeiten, zunächst weiterhin in den beiden Ortsteilen, werden fortgeführt, sodass sicherlich die ersten Haushalte bereits in den nächsten Monaten über eine superschnelle Internet-Verbindung verfügen können.

Aber auch die Außenbereiche unserer Gemeinde werden vom Breitbandausbau profitieren.

Mit der beantragten Gewährung einer 90 %-Zuweisung durch Bundes- und Landesmittel ist die Voraussetzung gegeben, dass nach der europaweiten Ausschreibung und der Auftragsvergabe dann voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte die Tiefbauarbeiten in den Außenbereichen beginnen werden. Ohne diese Fördermittel hätte diesen Haushalten und Gewerbetreibenden nie ein schneller Breitbandanschluss bereitgestellt werden können.

Der Eigenanteil der Gemeinde zu dieser Maßnahme beträgt rund 300.000 € und wurde vom Gemeinderat im diesjährigen Haushalt zur Verfügung gestellt.

Was ist in unserer Gemeinde an weiteren größeren Projekten und Maßnahmen in diesem Jahr geplant bzw. vorgesehen:

Mit der kontinuierlich steigenden Inanspruchnahme des Angebotes der Offenen Ganztagsschule wurde gutachterlich festgestellt, dass an der Michael-Grundschule eine räumliche Erweiterung erforderlich ist. Der bereits mit allen Beteiligten abgestimmte Entwurf eines Anbaues wird mit seiner Ausführung und den Einrichtungskosten bei der Haushaltsplanung mit Kosten von rd. 530.000 € berücksichtigt.

Rund 540.000 € sind für die notwendige Erweiterung des Rathauses an der Mühlenstraße einschließlich der Einrichtungskosten vorgesehen.

Ein vorsorglicher Betrag von 390.000 € wird eingeplant zum Erwerb von Mobilheimen auf dem Grundstück am Ostring 50. Diese Mittel werden jedoch nur dann in Anspruch genommen, sofern in diesem Jahr wieder ein verstärkter Zustrom bzw. eine verstärkte Zuweisung von Flüchtlingen erfolgen sollte und diese Personen nicht in den vorhandenen Unterkünften untergebracht werden können.

Aus den im vergangenen Jahr beschlossenen Brandschutzbedarfs-plan ergibt sich die Erkenntnis, dass an den Standorten beider Löschzüge Handlungsbedarf besteht.

Für die nächsten beiden Jahre sind für einen Anbau am Gebäude des Löschzuges Wankum einschließlich eines noch erforderlichen Grunderwerbs Kosten von rd. 420.000 € eingeplant.

Für den Löschzug Wachtendonk wird sich in diesem Jahr zunächst die Parksituation am Gerätehaus gravierend entspannen, da im Frühjahr auf dem benachbarten Grundstück eine Parkfläche ausschließlich für den Feuerwehrbereich angelegt wird.

Ferner sollte dieses Jahr genutzt werden zu prüfen, ob der jetzige Standort des Feuerwehrgerätehauses aufgrund der immer höheren Anforderungen an die Feuerwehr noch Entwicklungspotential bietet oder ob Alternativstandorte in Betracht kommen. Für den Finanzplanungszeitraum sind hierzu Mittel von rd. 2,6 Mio. € eingeplant.

Der Kreisverkehr am südlichen Ende der Kempener Straße einschließlich des Straßenbereiches bis zur Umgehungsstraße bedürfen einer dringenden Sanierung. Diese größere Baumaßnahme ist in der zweiten Jahreshälfte, voraussichtlich in den Sommerferien, vorgesehen. Die hierzu kalkulierten Kosten belaufen sich auf rd. 120.000 €.

Im Bereich Bildung werden für unsere Schulen in diesem Jahr neben den oben erwähnten Kosten für den Ausbau und die Einrichtung der Offenen Ganztagsschule in Wachtendonk noch rd. 82´T€ u.a. für die Beschaffung eines Regalsystems, drei Whiteboards, eines Laptopwagens sowie der Anschaffung eines Sonnensegels investiert, wozu rd. 71´T€ sich aus dem Landesprogramm „Gute Schule 2020“ refinanzieren. Aus diesem Programm werden auch noch in den nächsten beiden Jahren jeweils rd. 83´T€ in unsere Schulen fließen.

Im Bereich der Jugendarbeit wurde in der Dezembersitzung des Rates beschlossen, für die Jugendlichen im Ortsteil Wachtendonk eine Container-Lösung auf dem Gelände der Sekundarschule gegenüber der Turnhalle zu installieren. Die Baugenehmigung hierzu liegt vor, sodass der Auftrag zur Erstellung dieser Einrichtung in den nächsten Wochen vergeben werden kann.

Für die Kinder und Jugendlichen im Ortsteil Wankum wird auch das bereits seit längerer Zeit geplante Kleinspielfeld an der Bröhlstraße realisiert werden. Die Ausschreibung hierzu erfolgt zeitnah, sodass mit den „ersten Ballwechseln“ auf diesem Feld zum Ende des ersten Halbjahres zu rechnen ist.

Der dringende Bedarf an Wohnbauflächen in unserer Gemeinde soll in einem ersten Schritt durch die Entwicklung des Baugebietes am Sportplatz Wankum gedeckt werden. In diesem Jahr werden die letzten erforderlichen Gutachten erstellt; mit der Planung wurde bereits begonnen. Eine erste Bürgerbeteiligung wird hierzu voraussichtlich im späten Frühjahr erfolgen. An Kosten für dieses Baugebiet sind rd. 1,5 Mio. € vorgesehen, wozu die Grundstücksverkaufserlöse und die Erschließungskosten noch gegenzurechnen sind.

Auch im Bereich des Gewerbegebietes Müldersfeld ist bei der Weiterentwicklung und Vermarktung der Grundstücke „richtig Bewegung“ gekommen. Aktuell liegt der Grundstücksentwicklungs-gesellschaft eine höhere Nachfrage von Gewerbebetrieben vor, als Grundstücke zur Verfügung stehen. Daher ist beabsichtigt, über eine Investorenplanung unter Inanspruchnahme des sogenannten Gewerbeflächenpools den zweiten Bauabschnitt des Gewerbegebietes bevorzugt zu überplanen und zu erschließen.

Um die gewerblichen Aktivitäten bzw. die Expansionsabsichten im Lebensmittel- und Discounterbereich weiter zu unterstützen und damit die Lebensmittelversorgung in unserer Gemeinde langfristig zu sichern, ist ein Einzelhandelskonzept für das Gemeindegebiet in Auftrag gegeben worden.

Auch im Bereich der Gesamtentwicklung der Gemeinde sollen Weiterentwicklungen stattfinden, wozu bereits verschiedene nachfolgende Projekte vorgesehen bzw. angedacht sind:

Neben der Erstellung eines Parkraum- und Verkehrsplanungs-konzeptes für beide Gemeindeteile, einer Überplanung des Stadtgrabens aus historischer Sicht und zur Förderung und Steigerung der Attraktivität des Tagestourismus sowie Überplanungen einzelner Straßenzüge oder Wohnbereiche sollen diese Projekte in einem integrierten Stadtentwicklungs- und Handlungskonzept gebündelt werden.

Die Erstellung dieses Konzeptes bedarf jedoch einer Beteiligung der Bürgerschaft und ist durch den Rat der Gemeinde zu beschließen. Dieser Beschluss ist anschließend die Grundlage dafür, eine finanzielle Unterstützung seitens des Landes zu erhalten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die wichtigsten Projekte habe ich Ihnen vorgetragen; jedoch sind noch weitere Dinge in der Überlegung und Planung. So gibt es aus der sogenannten Zukunftswerkstatt Anregungen und Überlegungen der verschiedensten Art und Weise.

Eine Überlegung aus dem politischen Raum ist die Präsentation bzw. Darstellung der Gemeinde aus einer völlig anderen Perspektive oder Blickwinkel. Hierzu hat man sich die Unterstützung eines Fotografen zu eigen gemacht, der hierzu im Vorraum zwei seiner Fotografien einer möglichen Darstellung unserer Gemeinde in vergrößerter Form aufgehängt hat.

Schauen Sie sich diese Bilder an, bilden Sie sich selbst Ihre Meinung und kommen dann vielleicht untereinander ins Gespräch.

Bevor ich mit meiner Rede zum Abschluss komme, möchte Sie noch auf zwei Großveranstaltungen in diesem Jahr aufmerksam machen, die jedoch leider beide am ersten Juli-Wochenende stattfinden.

Das Landesbezirksschützenfest in Wankum als auch die Feierlichkeiten zum Abschluss des Europäischen Jahres in unserer Partnergemeinde Acigné.

Die erwartete Besucherzahl zum Landesbezirksschützenfest von rund 800 – 1.000 aktiven Teilnehmern wird sicherlich eine große logistische Herausforderung; wünschen wir schon jetzt der veranstaltenden St. Johannes- und St. Martini Bruderschaft Wankum ein gutes Gelingen und viel Erfolg.

Meine Grüße und guten Wünsche gelten auch den Freundinnen und Freunden in unserer Partnergemeinde Acigné, die uns nach Frankreich eingeladen haben. Die Planungen für eine Teilnahme am Fest in Acigné, zu dem auch eine größere Delegation aus der rumänischen Partnerstadt Seica Mare erwartet wird, laufen bereits auf Hochtouren.

Auch hierzu sind Sie alle ganz herzlich eingeladen.

Ich darf Ihnen zum Abschluss meiner Rede nochmals alles Gute für das kommende Jahr wünschen und bedanke mich bei Ihnen sehr für Ihre Aufmerksamkeit.