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Altes Kloster "Thal Josaphat"Text in Deutsch Audio in Deutsch Text in Niederländisch Audio in Niederländisch

1430 durch Wilhelm von Wachtendonk gegründetes Tertiarierrinnenkloster. Die Namenswahl bleibt ein Geheimnis. Aus der Bibel ergibt sich, dass die Einsiedlerin Pelagia sich am Ölberg im Heiligen Land eine Hütte errichtet hatte, von der aus sie in das Tal Josphat blicken konnte. Nach alter Legende sollte dort der Richtplatz des Jüngsten Tages sein. Die Einsiedlerin wollte die liebliche Stimme hören: „Kommet her, ihr Gerechten".
Die Regeln waren eine einjährige Novizinnenzeit, hernach die Gelübde des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit. Auch Laienschwestern (ohne Gelübde) für „niedere Verrichtungen" sind überliefert, die das Vieh versorgten oder die Tuche bleichten. Von Anfang an sollten auch Commensalen (Tischgenossen) aufgenommen werden, zumeist ältere Leute, die in Armut, Pflegebedürftigkeit oder Einsamkeit geraten waren.
1489 gestattete der Magistrat der Stadt dem Kloster, einen unterirdischen Tunnel vom Stadtgraben durch das Kloster bis zum entgegen gesetzten Punkt des Stadtgrabens zu ziehen. Allen Legenden zum Trotz - jede Stadt und Burg hat bekanntlich ihre Geheimgänge - handelte es sich dabei um einen Wasserkanal, dat die onvledigkeit (Unflat) dair door ewech vliete. Als Gegenleistung sollten die Schwestern hintern ihrem Kloster eine Tür in der Stadtmauer anlegen lassen, um notfalls Löschwasser einholen zu können (heute erinnert noch die Wegbezeichnung Jungfernsteg daran).
Durch einen Hochgang erreichten die Nonnen eine Empore in der Pfarrkirche St. Michael oberhalb der Grabkapelle St. Luzia ohne mit weltlichen Personen in Berührung zu kommen. Das Kloster war zudem auch ganz mit einer Mauer umgeben.
1516 wurde die hufeisenförmig um einen kleinen Hof gruppierte Gebäudeanlage durch einen Brand weitgehend zerstört und in der Folgezeit in verschiedenen Phasen wieder auf- und umgebaut. Straßenseitig befinden sich noch zwei Maueranker, die als Entstehungszeit der ehemaligen Rektorswohnung 1707 angeben.
Neben der Verwaltung des Landbesitzes (besonders im Land Wachtendonk östlich der Niers) betätigten sich die Schwestern ab 1711 auch auf Weisung von Fürstin Dorothea von Dietrichstein geborene Prinzessin zu Salm-Salm, der damaligen Herrin von Wachtendonk pädagogisch. Jeweils zwei Schwestern sollten junge Töchter instruieren im Beten, Lesen, schreiben und im Katechismus, und dieselben weiterbrächten in Gottesfurcht, Nähen, Stricken und anderen löblichen Uebungen.
Dennoch brachte die französische Besetzung des Rheinlandes auch hier das Ende der Ordensgemeinschaft, die 1792 noch aus elf Schwestern bestand.
Nach Auflösung des Klosters 1802 verzeichnete das Gebäude wechselnde Nutzungen, so durch die französische Gendarmerie, zeitweilig als Friedensgericht, preußische Landsturm-Kommandantur und ab 1821 bis 1954 als Volksschule.
Heute ist in einem Teil des Gebäudes das Pfarrheim und die Bücherei der katholischen Pfarrgemeinde beheimatet, der andere Teil ist von der Gemeinde Wachtendonk zum Bürgerhaus "Altes Kloster" umgebaut worden.