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Das 1708 beim Stadtbrand vernichtete alte Rathaus der Stadt Wachtendonk wurde zunächst 1712 neu errichtet. Im Jahr 1841 erfolgten dann der Abbruch des Rathausgebäudes und ein Neubau unter Beibehaltung des Grundrisses und teilweiser Verwendung der alten Bausubstanz an gleicher Stelle. Während der Neubauzeit war die Verwaltung im Haus Weinstraße 24 untergebracht.
Ab 1842 nutzte die Verwaltung das Obergeschoss, während im Erdgeschoss die Feuerlöschgeräte gelagert wurden. Nach dem Neubau eines Feuerlöschgeräteschuppens 1857 war das Gebäude nur noch Rathaus, aber auch Sitz des Friedensgerichts. 1873 wurde das Friedensgericht aufgelöst mit der Zusage, dass das Amtsgericht Kempen sieben Gerichtstage jährlich im Rathaus zu Wachtendonk abhält (bis 1945).
Das Ursprungsgebäude ist inzwischen durch Umbau an der Seite zur Mühlenstraße (1963 durch Hinzunahme eines angrenzenden Gebäudes, 1979 durch einen zusätzlichen Erweiterungsbau) erweitert worden. Das heutige Verwaltungsgebäude besteht daher aus drei Gebäudekomplexen.
Trotz der notwendigen Baumaßnahmen zum Erhalt der Funktionsfähigkeit der Verwaltung hat das Rathaus in seinem Erscheinungsbild das historische Aussehen bewahrt. Hierfür sorgen die klassizistische Putzfassade und die große bekrönende Laterne auf dem Pyramidendach. Um 1934/35 wurde vorübergehend evangelischer Gottesdienst im Sitzungssaal des Rathauses abgehalten, da zu dieser Zeit mehrere Familien evangelischer Konfession in Wachtendonk Wohnung genommen hatten (Zollbeamte).
1942 musste die Rathausglocke zu Kriegszwecken abgeliefert werden. 1998 wurde ein Glockenspiel im Rathaustürmchen in Betrieb genommen.
Der an der Mühlenstraße gelegene Trakt war das so genannte Salzhaus und diente spätestens im 18. Jahrhundert unter anderem zur Lagerung von Salz, das mühsam in Geldern mit einer Dienstkarre geholt und durch die Herren von Wachtendonk besteuert wurde. Zwischen Unter- und Obergeschoss ist in Ankersplinten die Jahreszahl 1762 angebracht.
Vor dem Rathaus befindet sich das Stadtwappen im Straßenpflaster. Es leitet sich von der Familie von Wachtendonk her, die durch Namensträger seit dem 12. Jahrhundert urkundlich verbürgt ist. Ursprünglich soll es sich um Herren von Pellant, einer Burg im Nordosten von Wankum (1583 zerstört) gehandelt haben. Das Siegel beider Familien zeigt eine rote Gleve (stilisierte Lilie) auf goldenem Grund. So auch die Familien von Elmpt und (mit anderen Farbgebungen) von Krickenbeck, Eyll, Asselt, Hausen, Weyers, Heithausen, Grefrath und Donk
Das eigentliche Stadtsiegel (1382) zeigt bereits den doppelstöckigen Wehrturm, als Symbol für die befestigte Stadt, mit jeweils fünf Zinnen. Auch das letzte von insgesamt vier bekannten Stadtsiegeln zeigt 1792 die schwebende Gleve über einen Turm mit fünf Zinnen, der allerdings im Untergeschoss ein Tor aufweist.
Das Wappen in heutiger Form zeigt seit 1969 den wieder doppelstöckigen Turm mit vier bzw. sechs Zinnen. Wie bei den historischen Vorbildern dürfte die Anzahl der Zinnen auf künstlerischer Gestaltung beruhen, eine Symbolik lässt sich nicht herleiten. Ebenso wenig ist aus Beschreibungen ein abgestufter doppelstöckiger Turm überliefert. Hier kann höchstens vermutet werden, dass damit Stadt und Burg (als fester Bestandteil der Stadtbefestigung) gemeint sind.